Mozartabend bei den Wiesbadener Rotariern

Mareike Braun sang Mozart-Arien Mareike Braun sang Mozart-Arien

70 Gäste aus den rotarischen Clubs in Wiesbaden, eine intime Athmosphäre im Hotel Radisson Schwarzer Bock und phantastische junge Künstler - es war ein Versuch, den beide Organisationen da gewagt hatten: Die Mozart-Gesellschaft Wiesbaden und die Rotarier - und beide wurden belohnt mit einem inspirierenden Abend.

 

Ein virtuoses Stück aus der Symphonie Espagnol von Edouard Lalo, Opern-Arien aus La Nozze die Figaro und La clemenza di Tito sowie ein tiefgehender Vortrag zur Frage "Brauchen wir heute noch Genies?", das war Rahmen, den beispielsweise Anna Katherine Claus bestritt, die 18jährige Wiesbadenerin, die bereits mit 14 ihre ersten Soloauftritte mit großen Sinfonieorchestern hatte, seit zwei Jahren Jungstudentin an der Frankfurter Hochschule für Musik ist, im "Hauptberuf" aber immer noch das Dilthey-Gymnasium Wiesbaden besucht; oder Mareike Braun, die 25jährige Mezzo-Sopranistin, die gerade ihr Gesangsstudium in London abschließt und bereits auf den Konzertpodien in Europa zu Hause ist - sie beide zeigten, begleitet von Erika Le Roux am Flügel, wohin außergewöhnliches Talent, stupender Fleiss und gesunder Ehrgeiz im musikalischen Bereich führen können.

 

Hartmut Wedell, Vorstandsmitglied der Mozart-Gesellschaft und Inhaber des Pianohauses Porth, schlug, angeregt durch die Person Mozarts, in seinem kurzen Vortrag einen weiten historischen Bogen: Wie erkennen wir heute noch die Genies in unserer Gesellschaft? Brauchen wir sie noch? Oder hat sich der Begriff angesichts einer viel breiteren Leistungselite als noch zu Mozarts Zeiten heutzutage überholt? Immerhin sind Kreativität, Innovation, Entdeckungen oder Geistesblitze, wie wir sie von Genies erwarten, heute Teil unseres allgemeinen Fortschrittsdenkens geworden, an dem jeder teilhaben sollte.

 

Der Blick in die Philosophiegeschichte zeigt zudem, dass der Geniebegriff immer auch stark dem Zeitgeist unterworfen war: Bezeichnete er in der Romantik noch die absolute Identität mit der Natur, war er in der Aufklärung Ausdruck des vollständigen Verstehens der Weltgesetze, zu dem nicht jeder fähig war.

 

Wedells Vortrag ist als Anfrage auch als Manuskript zu erhalten.